Samstag, 1. Dezember 2012

C.J. Lyons: Schlangenblut

Bewertung: *****

Lucille Teresa Guardino ist eine Frau mit vielen Facetten. Tochter, Ehefrau, Mutter einer Teenager Tochter, Mitarbeiterin einer FBI Spezialeinheit gegen Sexualverbrechen an Kindern. Ihr Beruf ist ihr sehr wichtig und sie sieht es als ganz persönliche Anforderung an, so viele Kinder wie möglich zu retten. Als die jugendliche Ashley verschwindet, sieht es zunächst so aus, als wäre sie von zu Hause ausgerissen. Doch Lucy ist bald klar, dass mehr dahinter stecken muss. Sie wird nicht aufgeben, bis sie Ashley gefunden hat …

C.J. Lyons hat viele Jahre in einer Notfallambulanz als Kinderärztin gearbeitet. Aus ihren Erfahrungen dort ist eine in den USA sehr erfolgreiche Reihe von Medizin-Thrillern entstanden. Nun ist mit "Schlangenblut" das erste Mal ein Buch von ihr auch in Deutschland veröffentlicht worden. Hier steht weniger die Medizin im Vordergrund, als vielmehr der klassische Amerikanische Thriller. Die Protagonistin arbeitet bei einer Spezialeinheit für Sexualverbrechen an Kindern und dies ist auch das Thema dem sich die Autorin hier angenommen hat. Ihre medizinischen Vorkenntnisse sind jedoch ebenfalls in einigen Szenen erkennbar. Ein Kompliment muss ich dem Ullstein Verlag machen für die im Vergleich zur Originalausgabe sehr viel geschmackvollere Gestaltung des Buchs.
Inhaltlich konnte mich C.J. Lyons jedoch noch nicht überzeugen.
Wieder einmal dreht es sich hier um das Thema Kindesmissbrauch. Zu Anfang fand ich "Schlangenblut" noch einigermaßen spannend und es hat mich interessiert mehr über die Figuren zu erfahren. C.J. Lyons hat jedoch selber die Spannung genommen, indem recht früh verraten wird, wer hinter dem Ganzen steckt. Da ab diesem Zeitpunkt auch das Verhalten der Figuren unrealistischer wurde und sich Lucy als immer unglaubwürdigere Superheldenhauptfigur herausstellte, wurde für mich die Geschichte uninteressant. Ich habe "Schlangenblut" zwar noch beendet, aber wirklich empfehlen kann ich dieses Buch daher nicht. Für einen unblutigen Thriller ist es ganz in Ordnung, aber der Spannungsbogen lässt deutlich zu wünschen übrig. 



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Ursula Poznanski: Erebos


Nick beobachtet, wie unter seinen Mitschülern CDs weiter gegeben werden. Doch als er versucht mehr heraus zu bekommen, trifft er nur auf Schweigen. Einige Tage später ist es dann endlich soweit und eine Mitschülerin bietet ihm ebenfalls die CD an. Doch vorher muss er versprechen ebenfalls niemandem davon zu erzählen.
Ein wenig enttäuscht ist Nick schon, als er feststellt, dass es sich hier lediglich um ein Computerspiel mit Namen Erebos handelt. Warum sind da alle so verrückt nach? Doch nach der Anfangssequenz beginnt Nick zu ahnen, was Erebos so besonders macht. Das Spiel spricht mit ihm! Es scheint Sachen über ihn zu wissen, die aus dem realen Leben stammen. Was steckt hinter dem Ganzen?


Ich habe "Erebos" als Hörbuch gehört und kann hier nur eine volle Empfehlung aussprechen. Gelesen wird es von Jens Wawrczeck, dessen Stimme ganz ausgezeichnet zu einem Jugendbuch passt und der allen Figuren eigene Merkmale gibt. "Erebos" ist nicht wirklich ein Thriller, aber sehr unterhaltsam und spannend. Angesprochen werden sich hier besonders Leser fühlen, die selber schon Erfahrung mit Rollen-/Computerspielen gesammelt haben und daher die Welt die Nick antrifft gut nachvollziehen können. Ich selber habe mich zu Anfang noch gefragt, worauf denn diese Geschichte hinauslaufen soll und ob das nicht ein wenig langweilig wird, doch schon bald war ich ebenso gefangen wie Nick und wollte einfach nur wissen wie es weiter geht. Da ich meine Hörbücher meistens im Auto höre, führte das dann dazu, dass ich mich auf jede Fahrt zur Arbeit regelrecht gefreut habe. Was hier den Reiz ausmacht kann ich gar nicht so genau sagen. Sicherlich spielt hier zum Teil eine Rolle, dass die Geschichte realitätsnah ist. Als Leser/Hörer ist man sich über weite Strecken nicht sicher, wie sich Nicks Erlebnisse erklären lassen und ebenso wie er ist man an einer Auflösung interessiert. Auch das Ende des Buchs fand ich durchaus realistisch und nicht nur an den Haaren herbei gezogen, wie es so oft in Jugendbüchern der Fall ist.
Empfehlen kann ich "Erebos" daher allen Lesern mit einem Hang zum Rollenspiel ab einem Alter von ca. 13 Jahren.


So habe ich bewertet:

 



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Sam Hayes: Das verbotene Zimmer

Bewertung: *****

Nina ist glücklich verheiratet mit dem Künstler Mick. Sie haben eine gemeinsame 15jährige Tochter Josie. Doch es gibt eine Vergangenheit, die Nina nicht mit ihrem Mann geteilt hat.
Die kleine Ava wird vom Jugendamt in ein Kinderheim gegeben, nachdem ihre Mutter gestorben und ihr Vater mit dem Alltag überfordert ist.
Frankie (Francesca) tritt eine neue Stelle als Assistentin in einer Schule an. Hier trifft sie den Lehrer Adam.


Sam Hayes hat mich zuvor bereits mit ihrem Buch "Stumm" überzeugt. Doch "Das verbotene Zimmer" übertrifft meiner Meinung nach noch den Vorgänger. Ich konnte es kaum erwarten weiter zu lesen und zu erfahren wie es mit Nina, Ava und Frankie weiter geht. Die drei Handlungsstränge wechseln sich hier ab und so erfährt der Leser nach und nach wie sich die Geschichten entwickeln.
Nicht so angenehm ist, dass die Autorin hier das Thema Kindesmissbrauch aufgegriffen hat und sehr eindringlich beschreibt. Besonders die Täterseite hat mich hier beeindruckt und nachdenklich gestimmt. Mehr möchte ich auch nicht verraten, sondern jedem Leser die Chance geben selber das großartige Talent von Sam Hayes zu entdecken. Empfehlen kann ich "Das verbotene Zimmer" allen Lesern die gut konstruierte Thriller mögen, die auch ohne viel Blut auskommen.


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Josephine Angelini: Göttlich verdammt


Nantucket – die kleine Insel auf der Helen Hamilton aufgewachsen ist, ist zugleich Segen und Fluch für sie. Einerseits ist dies der perfekte Ort um ein unauffälliges Leben zu führen und andererseits kennt hier jeder jeden uns es ist fast unmöglich nicht bemerkt zu werden. Schon immer hat sich Helen gegenüber ihrer Umwelt verstellt, sich schwächer, kleiner und weniger intelligent erscheinen lassen. Denn das Wichtigste ist ihr, um keinen Preis aufzufallen. Doch warum das so ist, war ihr bisher nicht klar. Mit der Ankunft der Familie Delos auf der Insel ändert sich vieles. Helen empfindet eine unerklärliche Wut gegenüber den Mitgliedern der Familie und besonders Lucas ist ein rotes Tuch für sie. In ihrer Umgebung nimmt sie unheimliche Frauen wahr, die sie dazu antreiben Lucas anzugreifen und auch er scheint diese Stimmen zu hören. Erst die entscheidende Konfrontation bringt die Wende und nun wird sich herausstellen, was das Schicksal wirklich für Helen und Lucas vorgesehen hat.

"Göttlich verdammt" ist der Auftakt einer Trilogie, die sich mit dem Thema griechische Mythologie beschäftigt. Wer hier jedoch direkt an Percy Jackson denken muss, der liegt zwar nicht total, aber teilweise falsch.
Autorin Josephine Angelini kommt aus dem Bereich der Theaterwissenschaften und hat sich auf die Helden der griechischen Mythologie spezialisiert. Dieses Hintergrundwissen ist dem Buch anzumerken, auch wenn hier nicht die Götter selber im Vordergrund stehen, sondern ihre Nachfahren - Scions genannt. Natürlich stimmt hier nicht jedes Detail mit den Geschichtsbüchern überein, doch die Autorin hat eine interessante Geschichte rund um den Mythos des trojanischen Krieges geschaffen. Wer weiß, wie dieser Krieg entstanden ist, wird hier schon die ersten Parallelen erkennen.
Neben Percy Jackson kommt man nicht daran vorbei, auch andere Buchreihen zum Vergleich heran zu ziehen. So erinnert "Göttlich verdammt" teilweise auch an die Bis(s) Bücher, die Fernsehserie Roswell oder die City of Reihe. Klar, da kann man durchaus ein paar Sterne abziehen für die fehlende Innovation, doch mir hat das Buch trotzdem insgesamt so gut gefallen, dass ich die volle Sternenzahl vergebe. Besonders beeindruckt haben mich hier die Figuren, nicht nur Helen und Lucas, sondern auch besonders die Nebenfiguren, wie zum Beispiel Helens Freundin Claire die für einige sehr humorvolle Momente sorgt.
"Göttlich verdammt" ist berechenbar, es bietet wenig echte Überraschungen die man nicht schon aus anderen Büchern kennen würde, doch die Spannung wird gut gehalten und ein Rätsel reiht sich an das nächste, so dass ich als Leser in der Geschichte gefangen war. Josephine Angelini liefert genau die richtige Menge an Information um nicht zu frustrieren, aber auch jüngere Leser nicht zu überfordern.
Dieses Buch gehört zu der Art von Büchern, die bei mir glückliche Seufzer ausgelöst haben, einfach weil es so schön ist die Geschichte zu lesen. Wer bei Bis(s) und Panem dahin geschmolzen ist, der sollte sich auch an "Göttlich verdammt" wagen und sich ein paar schöne Stunden mit einem natürlich viel zu perfekten Liebespärchen gönnen.


So habe ich bewertet:



Und hier kann man das Buch kaufen:  Josephine Angelini: Göttlich verdammt

Justin Cronin: Der Übergang

Bewertung: *****

Ein vom Militär betriebenes Projekt in der nahen Zukunft ist auf der Suche nach dem unsterblichen Soldat. Die ersten Testergebnisse führen noch nicht zum Ziel, es fehlt noch ein entscheidender Faktor. In der kleinen Amy glauben die Wissenschaftler die Lösung gefunden zu haben. Sie führen ihre Versuche an dem Mädchen durch, doch die übrigen Testteilnehmer erweisen sich als große Gefahr.
Rund 100 Jahre später ist die Welt wie wir sie kannten im Chaos versunken. Wer nicht vom Virus befallen wurde verschanzt sich in Kolonien. Doch auch diese sind bald nicht mehr sicher. Die Technologie die die infizierten Virals aufhält ist veraltet und droht zu versagen.


Ich habe "Der Übergang" als Hörbuch gehört, das eine gekürzte Fassung (ca. 13 Stunden auf 10 CDs) des Buchs ist. Die Hörbuchfassung hat auch nicht besonders zum Textverständnis beigetragen. Insbesondere fehlte mir hier die zeitliche Orientierung, da sich die Geschichte auf mehreren Zeitebenen entwickelt. Dass dies der Fall ist, habe ich erst nach einer ganzen Weile bemerkt, nachdem ich zunächst ziemlich verwirrt war über die Geschehnisse. Sicherlich hat die deutliche Kürzung auch nicht gerade zur Klarheit beigetragen.
Gelesen wird das Hörbuch von David Nathan, der mir als Sprecher gut gefallen hat.
Interessant ist die Entwicklung des Vampirthemas durch Justin Cronin. Hier sind die Vampire nicht die harmlosen Gestalten für romantische Episoden wie in vielen Romanen der letzten Jahre. "Der Übergang" erinnert eher an Horror-Schocker wie "I am Legend" oder "The Stand" und die Vampire sind recht unangenehme Zeitgenossen.
Der Autor entwirft hier eine Dystopie, die auf der Grundlage beruht, dass die Menschen selber verantwortlich für den Untergang der Gesellschaft und die Entvölkerung der Erde sind. Dabei stellt "Der Übergang" nur den ersten Teil einer Trilogie dar, wobei ich den Cliffhanger zum Ende jedoch nicht so dramatisch fand. Auch die Charaktere sind mir nicht in Erinnerung geblieben. Natürlich denkt man viel an das kleine Mädchen Amy und was wohl aus ihr geworden ist, bevor man es letztendlich erfährt. Aber von den Figuren der weiter entfernten Zukunft kann ich mich jetzt schon an keine mehr genau erinnern und es ist keine Bindung beim lesen/hören entstanden.
Insgesamt ist es mir sehr schwer gefallen die ganze Zeit über aufmerksam zu bleiben und das ist sehr wichtig um hier nicht den Faden der Geschichte zu verlieren.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Reihe wirklich weiterverfolgen möchte, denn nachhaltig beeindruck hat mich das Werk nicht. Allerdings sind auch viele Fragen noch unbeantwortet und ich hoffe auf die Lösung in den Folgebänden. Ich empfehle allen interessierten Lesern doch noch zu warten, bis die gesamte Trilogie erschienen ist (2014/2015), und diese dann gemeinsam zu lesen. Vielleicht ist dann auch der Gesamtkontext klarer. Empfehlenswert ist "Der Übergang" für alle, die gerne umfangreiche Romane zum Thema Endzeitszenario und/oder unfreundliche Vampire/Monster lesen.






Und hier kann man das Hörbuch kaufen:  Justin Cronin: Der Übergang

Laura Whitcomb: Silberlicht

Bewertung: *****

Es ist bereits 130 Jahre her, dass Helen starb. Doch unsere Welt verlassen hat sie nie. Ohne Körper und für die Menschen unsichtbar, begleitet sie als Muse ihre "Bewahrer" und inspiriert sie zu literarischen Werken. Viele Schriftsteller, Dichter und andere Menschen hat Helen begleitet, bis sie nun bei einem Highschool Lehrer gelandet ist. Täglich begleitet sie ihn in seinen Unterricht, unsichtbar und still. Doch eines Tages wird sie von einem Schüler bemerkt. Doch Billy ist kein normaler Schüler. In seinem Körper lebt James, ebenfalls die Seele eines Verstorbenen, der diesen Körper übernommen hat, nachdem Billy ihn zurück ließ.
James und Helen verlieben sich, doch sie sind wie die Königskinder, die nicht zueinander kommen können. James sieht nur eine Lösung: sie müssen einen Körper für Helen suchen.


"Silberlicht" von Laura Whitcomb gehört für mich leider nicht zu den Büchern, die ich lange in Erinnerung behalten werde. Schon jetzt fällt es mir schwer mich so richtig zu erinnern, wovon das Buch eigentlich handelte. Sprachlich kann die Autorin durchaus überzeugen mit schönen Sätzen und einem angemessenen Wortschatz.
Leider konnte mich die Handlung jedoch nicht fesseln und die Entwicklung der Charaktere hat mir überhaupt nicht gefallen. Helen ist eine erwachsene Frau, die sich jedoch unreifer verhält als jedes Schulmädchen. Zum einen habe ich seitenlang darauf gewartet, dass überhaupt etwas Interessantes passiert. Zum anderen fand ich die Liebesgeschichte zwischen Helen und James sehr verantwortungslos und egoistisch. Hier konnte ich mich nur schwer in die Charaktere hineinversetzen und sie haben viele Sympathiepunkte bei mir verloren. Es ist nicht nur, dass Safer Sex hier überhaupt keine Rolle spielt. Dafür hätte ich im "Eifer des Gefechts" zumindest noch ansatzweise Verständnis. Aber der Umgang von James und Helen mit ihren Gastkörpern und die absolute Gleichgültigkeit, ob sie das Leben dieser beiden Personen zerstören, war mir absolut unverständlich.
Empfehlen kann ich "Silberlicht" nur den Lesern, die sehr gerne ruhige Geschichten lesen und mehr Wert auf schöne Sätze als spannende Ereignisse legen.




Und hier kann man das Buch kaufen:  Laura Whitcomb: Silberlicht

Heather Terrell: Auf den Schwingen der Nacht

Bewertung: *****

Ellie Faneuil besucht die vorletzte Klasse der Highschool und führt ein eher zurückgezogenes Leben. Mit ihren Akademiker Eltern besucht sie jedes Jahr ein neues Land, um aktive Entwicklungshilfe zu leisten. Aufregend ist das nicht und viele interessante Leute lernt Ellie dort auch nicht kennen.
Umso erstaunter ist sie, als der neue Mitschüler Michael behauptet, sie vor einigen Jahren auf einer solchen Reise getroffen zu haben. Ellie kann sich nicht an Michael erinnern und so einen süßen Typen hätte sie bestimmt nicht vergessen.
Doch nicht nur diese Begegnung ist merkwürdig. Ellie entdeckt, dass ihre Träume vom Fliegen der Realität entsprechen und auch Michael hat diese Gabe. Gemeinsam erkunden sie ihre Fähigkeiten und entdecken immer seltsamere Dinge über sich selbst. Sind sie Vampire, oder steckt etwas ganz anderes dahinter?


"Auf den Schwingen der Nacht" ist der Debütroman von Heather Terrell und dafür liest es sich wirklich gut. Ganz im Mittelpunkt der Ereignisse steht Ellie und so widmet sich dieser erste Band der Reihe "Die Chroniken der Nephilim" auch eher Ellies Suche nach sich selbst und ihrer Herkunft.
Während sich die Handlung zu Beginn eher langsam entwickelt, steigert sich das Tempo im Laufe der Geschichte und endet im großen Showdown. Für mich persönlich überschlugen sich die Ereignisse zum Ende hin ein wenig und die Geschichte verlor an Realität (auch wenn natürlich das ganze Thema eher dem Bereich Fantasy zuzuordnen ist). Ellies Umgang mit ihren Gegnern und ihre Fähigkeiten konnten mich nicht mehr so überzeugen wie zu Anfang.
Heather Terrells Ideen zu den Nephilim fand ich sehr interessant, auch wenn das Thema inzwischen nicht mehr neu ist. Wie habe ich letztens noch gelesen: Engel sind die neuen Vampire. Aber zumindest hat es die Autorin geschafft hier einen neuen Ansatz zu zeigen, der auch einigermaßen glaubwürdig wirkt.
Die Fortsetzung der Reihe wird noch im Jahr 2011 auf englisch erscheinen.
Empfehlenswert ist "Auf den Schwingen der Nacht" besonders für jugendliche Leserinnen und alle Leser, die Geschichten über die Nephilim mögen.





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Viveca Sten: Tod im Schärengarten

Bewertung: *****

Es fällt der Startschuss einer großen Segelregatta auf Sandhamn, als Oscar Juliander tödlich getroffen auf seinem Schiff zusammen sackt. Thomas Andreasson und seine Kollegen ermitteln im Umfeld des Opfers, durchleuchten die „bessere Gesellschaft“ und decken Geheimnisse und Lügen auf. Unterstützung erhält Thomas hier von Nora Linde, seiner Freundin aus Kindertagen, die mit ihren juristischen Fachkenntnissen helfen kann. Warum musste Oscar Juliander sterben und wer ist das nächste Opfer?

"Tod im Schärengarten" ist die Fortsetzung von "Tödlicher Mittsommer" und wer diesen ersten Band noch nicht gelesen hat, braucht das im Anschluss auch nicht mehr zu tun. Bereits auf den ersten Seiten des Nachfolgers wird die Auflösung des ersten Falls ausführlich erläutert.
An Spannung übertrifft "Tod im Schärengarten“ noch seinen Vorgänger und der Leser erfährt mehr über die persönlichen Hintergründe von Nora und Thomas, was diese Figuren sehr sympathisch macht.
Sehr angenehm ist Viveca Stens Schreibstil mit kurzen Kapiteln und treffenden Beschreibungen. So konnte ich mir alles gut vorstellen und wäre am liebsten direkt selber in den Schärengarten gereist.
Der eigentliche Kriminalfall ist wieder der eher unspektakulären Art und kommt ohne Blutlachen und andere Merkmale eines Thrillers aus. Die Auslösung konnte mich dennoch überraschen und bis fast zum Schluss war ich mir nicht sicher, wie die wirklichen Zusammenhänge sind.
Empfehlen kann ich "Tod im Schärengarten" uneingeschränkt an alle Leser klassischer Kriminalromane und Bücher über Schweden.




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Jennifer Lee Carrell: Die Shakespeare-Morde

Bewertung: *****

Kate Stanley erhält die großartige Chance bei einer Aufführung im berühmten Londoner Globe Theater Regie zu führen.
Kurz vor der Premiere wird Kate von ihrer früheren Bekannten und Professorin Rosalind Howard aufgesucht, die sie um Hilfe bittet bei einer wichtigen Entdeckung die sie gemacht hat. Sie übergibt Kate ein Kästchen und verabredet sich mit ihr für später. Doch am vereinbarten Treffpunkt taucht Rosalind nicht auf und stattdessen muss Kate aus der Ferne sehen, dass der Nachbau des Globe Theaters in Flammen steht, wie einst der berühmte Bau im Jahr 1613.
Doch es kommt noch schlimmer, denn Rosalind wird tot aufgefunden. Was ist die große Entdeckung, die sie Kate mitteilen wollte, und wem ist es so wichtig, dass er dafür brandstiftet und mordet?


"Die Shakespeare-Morde" von Jennifer Lee Carrell widmet sich der Frage, wer hinter der Person Shakespeare steckte und die berühmten Stücke verfasst hat.
Ich muss ehrlich gestehen, dass mir gar nicht bewusst war, dass es da Ungeklärtheiten bezüglich der Identität von William Shakespeare gibt. Natürlich kenne ich viele seiner Stücke, aber ich habe nie daran gezweifelt, dass ein Mann dieses Namens aus dem Örtchen Stratford der Verfasser der Werke ist.
Anscheinend gibt es jedoch viele Verschwörungstheorien rund um die Urheberschaft, deren bekanntesten Theorien die Autorin hier aufgreift. Zunder liefert das verschollene Shakespeare Stück "Cardenio", das eine Verbindung aufzeigt, der die Protagonistin folgt.
Sehr einfallsreich fand ich hier, wie die Identität des Gegners mehrfach wechselt. Kaum meinte man entdeckt zu haben, wer Kates Gegenspieler ist, so öffneten sich schon wieder neue Wege und die Theorien wurden zerstört. Auch die Erläuterungen der Autorin zur Identität Shakespeares fand ich sehr interessant, auch wenn natürlich letztendlich nicht feststeht, was es nun damit auf sich hat. Leichte Abzüge erhält "Die Shakespeare-Morde" von mir, weil der Spannungsbogen nicht die ganze Zeit über gehalten werden konnte. Die Hauptfiguren reisen sehr viel herum und nicht alles wirkt unbedingt realistisch.
Insgesamt gesehen liefert Jennifer Lee Carrell hier eine gute Mischung aus Fakt und Fiktion, die zu unterhalten weiß und für jeden einigermaßen Shakespeare informierten Leser viele nette Anspielungen bietet.



(abweichendes Cover)


Und hier kann man das Buch kaufen:  Jennifer Lee Carrell: Die Shakespeare-Morde

Inez Corbi: Das Lied der roten Erde

Bewertung: *****

Die junge Moira wird gegen ihren Willen mit dem viel älteren Arzt Alistair McIntyre verheiratet. Gemeinsam mit ihm soll sie nach Australien, der noch jungen Sträflingskolonie, aufbrechen. Moira sträubt sich gegen die Ehe, ihren Mann und Australien, doch entkommen kann sie ihrem Schicksal nicht. Als sie in Australien auf Duncan trifft, der zur Strafarbeit dorthin verschifft wurde, erkennt sie was Liebe ist. Doch eine gemeinsame Zukunft erscheint unmöglich.

"Das Lied der roten Erde" von Inez Corbi fängt eigentlich noch ganz vielversprechend an. Moira ist eine sehr widerspenstige Protagonistin, die sich gegen die Konventionen stellt. Doch schon zu Anfang muss man als Leser miterleben, wie Moira in die Ehe gezwungen wird. Ebenfalls interessant fand ich die Schilderung der Anfangsjahre von Australien als Sträflingskolonie. Um das Jahr 1800 herum gab es noch kein gesellschaftliches Leben in Australien, keine großen Städte und eher fragwürdige Charaktere trieben sich im Land herum. Das ist durchaus eine Epoche über die ich gerne mehr erfahren möchte. Leider beschränkt sich Inez Corbi jedoch mehr auf die allgemeine Schilderung wie schrecklich alles für die Gefangenen ist und widmet sich dann ausführlich der Liebesgeschichte.
Eine Verbindung zwischen der Arztgattin und dem Strafgefangenen sollte eigentlich von vornherein als unmöglich erachtet werden. Doch die Autorin findet hier natürlich eine Möglichkeit die Liebenden zu vereinen. Das hier alle gängigen Klischees bedient werden, unglaubliche Zufälle zum Glück beitragen und das Happy End vorprogrammiert ist, sollte daher nicht verwundern.
Wer gerne eine Liebesgeschichte mit Schauplatz Australien lesen möchte, in der nicht allzu viel Saga und Tiefgang vorkommen muss, der findet mit "Das Lied der roten Erde" den richtigen Roman.



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Jackson Pearce: Drei Wünsche hast Du frei

Bewertung: *****

Viola und Lawrence sind seit ihrer Kindheit beste Freunde, woraus sich eine Beziehung entwickelt hatte. Doch nachdem Lawrence etwas über sich selbst heraus gefunden hat, können sie kein Paar mehr sein. Viola fällt dies sehr schwer, denn obwohl sie weiterhin Freunde sind, fehlt ihr die Vertrautheit zwischen Lawrence und ihr. Sie fühlt sich ungeliebt und einsam und wünscht sich nichts mehr, als das alles wieder wäre wie früher. Als eines Tages plötzlich ein Dschinn vor ihr erscheint und ihr genau das anbietet, gerät Viola ins Grübeln. Will sie es wirklich? Auch um den Preis, dass Lawrence nicht mehr er selbst sein könnte? Viola muss die wichtige Lektion lernen, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden können und sie sich erst einmal überlegen muss, was sie wirklich will.

"Drei Wünsche hast Du frei" hat mich sehr viel mehr begeistert als ich es erwartet hatte. Dies ist Jugendfantasy wie sie sein soll: voller Fantasy, einer originellen Handlung, sympathischen Charakteren, einer Portion Romantik und glaubwürdigen Dialogen.
Erzählt wird die Geschichte aus wechselnden Perspektiven. Zum einen aus der Sicht von Viola, einem 16-jährigen Mädchen, dass nach dem Ende einer Beziehung in ein tiefes Loch gefallen ist, an sich selber zweifelt und gerne wieder "dazu gehören" will. Zum anderen ist da Dschinn, er hat den Auftrag erhalten, Viola möglichst schnell dazu zu bringen, ihre drei Wünsche zu äußern. Erst dann darf er in seine Heimat Caliban zurück kehren, in der scheinbar alles perfekt ist und niemand altert.
Damit fängt das ganze Problem an, denn Viola denkt gar nicht daran, ihre Wünsche unüberlegt auszusprechen.
Nachdem sich ihr erster (unüberlegter) Wunsch als totaler Fehlgriff heraus stellt, wird es für Viola noch schwieriger sich zu entscheiden und Dschinn muss langsam erkennen, dass es auf der Erde gar nicht so uninteressant ist.
Und dann ist da noch das Problem mit der Liebe. Denn wie Dschinn immer wieder vor Augen gehalten wird: Ein Fisch und ein Vogel können sich verlieben, wo jedoch sollen sie leben?
Ich habe "Drei Wünsche hast Du frei" verschlungen und konnte es kaum abwarten weiter zu lesen. Jackson Pearce hat mich überzeugt, dass auch ein Dschinn durchaus interessant sein kann und nicht nur in die Welt von 1001 Nacht gehört. Empfehlenswert ist dieses Buch für alle, die romantische Jugendfantasy lieben.




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Sara Gruen: Wasser für die Elefanten

Bewertung: *****

Jacob Jankowski ist über 90 Jahre alt und lebt nach dem Tod seiner Frau in einem Pflegeheim. Am Wochenende besucht ihn wechselnd seine zahlreiche Verwandtschaft, doch auseinanderhalten kann er sie schon lange nicht mehr. Als neben dem Heim ein Wanderzirkus Station macht, kehren auch die Erinnerungen zu Jacob zurück. Einst hat er selber für einen Zirkus gearbeitet und dort die Tier versorgt. Der Tod seiner Eltern stürzte ihn in eine tiefe Krise und veranlasste den jungen Jacob sein Veterinärstudium vor der Abschlussprüfung abzubrechen. Wie gut, dass Benzinis spektakuläre Show schon immer gerne einen eigenen Tierarzt haben wollte und ob er nun das Studium abgeschlossen hat oder nicht interessiert hier niemanden. Zuständig für die Menagerie, lernt Jacob die Kunstreiterin Marlena und ihren herrischen Ehemann August kennen. Als Onkel Al der Zirkusdirektor einen Elefanten kauft, sollen Jacob, Marlena und August die Elefantendame Rosie zum neuen Star der Show machen. Doch das Tier scheint schwer von Begriff zu sein und Jacob ist schon längst in Marlena verliebt …

"Wasser für die Elefanten" liefert ein tolles Zeitdokument einer fast vergessenen Epoche. Die Zeit der großen Depression und Prohibition, der riesigen Wanderzirkusse und Eisenbahnshows, das ist es was Autorin Sara Gruen hier vor dem Auge des Lesers belebt.
Facettenreiche Charaktere, skurrile Gestalten und eine faszinierende Welt haben mich überzeugt. Die Autorin hat hier gut recherchiert und so wirkt nicht nur das Zirkusleben realistisch, sondern auch die vielen kleinen Nebenhandlungen, wie der Umgang mit der Prohibition und die alltäglichen Auswirkungen von Standesunterschieden. Sara Gruen schafft hier eine gute Balance zwischen dem Jacob Jankowski der Gegenwart, der in einem Pflegeheim lebt, und dem jungen Burschen in der Vergangenheit, der vom behüteten Studium in die Zirkuswelt gerät. Ich habe beide Handlungsstränge gerne verfolgt und war immer wieder aufs Neue gespannt, was als nächstes kommt.
Alles wird umspannt vom Prolog, der mich immer wieder rätseln ließ, wie es nur zu diesem Ereignis kommen konnte und sich dies mit Jakobs Gegenwart vereinbaren lässt. Der Autorin ist hier wirklich ein vorzüglicher Schachzug gelungen, der dazu führte, dass ich als ich das Buch durch hatte direkt noch mal von vorne mit lesen angefangen habe.
Empfehlenswert ist "Wasser für die Elefanten" für alle Leser, die gerne facettenreiche Geschichten lesen und Einblicke in vergangene Zeiten mögen.




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John Stephens: Emerald - Die Chroniken vom Anbeginn 01


Kate, Michael und Emma sind Geschwister und wachsen ohne Eltern in verschiedenen Waisenhäusern auf. Kate hat als Einzige Erinnerungen an die Eltern, ist sie doch drei Jahre älter als Nesthäkchen Emma, die noch ein Baby war, als sie ins Waisenhaus kamen. Wieder einmal werden sie in ein neues Heim abgeschoben, doch dort ist es ganz anders als erwartet. Nach der Ankunft in dem unheimlichen großen Haus an einem dunklen See im düsteren Dorf entdecken die Geschwister, dass sie die einzigen Kinder dort sind. Was soll das denn für ein Waisenhaus sein? Beim erkunden ihres neuen Zuhauses stoßen sie auf ein geheimnisvolles Labor tief im Keller. Treibt dort der Hausherr Dr. Pym Experimente? Kate, Michael und Emma finden ein in grünes Leder gebundenes Buch, das scheinbar leer ist, aber schon bald seine Magie offenbart: Legt man ein Bild hinein, so bringt es einen an den Ort und in die Zeit, wo die Aufnahme entstanden ist. Prompt verschwindet Michael, nachdem er ein Bild in das Buch gelegt hat. Können ihn seine Schwestern zurück bringen?

Seit der letzte Band der Harry Potter Reihe erschienen ist, stellt sich für die Verlage die große Frage, wer das Erbe antreten wird. Welche neue Buchreihe kann es schaffen, ebenso die Massen zu begeistern, die Kinder und Jugendlichen zum lesen zu treiben und einen ähnlichen Hype auszulösen?
"Emerald – Die Chroniken vom Anbeginn" hat durchaus Potenzial ein Nachfolger der Pottermania zu werden, auch wenn hier leider nicht die Originalität vorhanden ist, mit der mich andere Autoren überzeugen konnten. Allzu oft fühlte ich mich an diverse Buchreihen erinnert, sei es nun Harry Potter, Narnia, His dark materials oder Der Herr der Ringe.
"Emerald" ist der erste Band einer geplanten Trilogie, bei der sich jeder Band einem der Bücher der Chroniken vom Anbeginn widmen wird. Dabei ist jedem der Bücher eines der drei Kinder zugeordnet, so wie es bei Emerald Kate ist, die eine besondere Verbindung zum Buch hat. Hier steht daher auch Kate im Focus der Ereignisse, ich rechne jedoch damit, dass in den weiteren Bänden Michael und Emma im Mittelpunkt stehen werden. Die drei Geschwister stellen recht stereotype Charaktere dar. Kate ist die Vernünftige, die versprochen hat für die jüngeren zu sorgen und so ist sie für ihr Alter schon sehr erwachsen. Michael ist ein typisches mittleres Kind, das Probleme hat sich gegen die Geschwister durchzusetzen und sich in seine eigene Welt flüchtet. Emma ist das freche Nesthäkchen, das sich dagegen wehrt behütet zu werden und sich im Waisenhaus eine dicke Schale angeeignet hat. Michael und Emma streiten ständig, was zu Anfang amüsant, zum Ende eher schon nervig ist.
Die Geschichte gibt ein zügiges Tempo vor, so dass hier keine Langeweile aufkommt und besonders junge Leser gefesselt werden.
Schön hätte ich es gefunden, wenn es hier eine Karte gegeben hätte.
Empfehlenswert halte ich "Emerald – Die Chroniken vom Anbeginn" besonders für Leser zwischen 10 und 14 Jahren. Für mich ist dies keine typische All-Age Fantasy, so dass ich nicht unbedingt eine Empfehlung für ältere Leser aussprechen kann. Wer aber fantastische Geschichten mag und auch an Reihen wie Narnia Gefallen gefunden hat, der sollte es auch einmal mit den Chroniken vom Anbeginn versuchen. 

So habe ich bewertet:



Und hier kann man das Buch kaufen:  John Stephens: Emerald - Die Chroniken vom Anbeginn 01

Richard Doetsch: Die dreizehnte Stunde

Bewertung: *****

Zum Inhalt von Richard Doetschs "Die 13. Stunde" möchte ich gar nicht viel schreiben. Die Grundidee ist wirklich toll. Der Protagonist Nicholas Quinn erhält von einem Unbekannten die Möglichkeit, in der Zeit zurückzureisen. Jedoch nicht so, dass er einfach den ganzen Tag wiederholen könnte, sondern zu jeder vollen Stunde beginnt er eine Stunde früher und kann so versuchen die folgenden Ereignisse zu verhindern.
Sprecher Matthias Koeberlin versteht es den Hörer zu fesseln und über Stunden hinweg die Spannung aufrecht zu erhalten. Ist man jedoch abgelenkt, so verliert man auch schnell den Anschluss an die rasante Geschichte und sucht nach fehlenden Informationen.
Die Handlung ist teilweise sehr überraschend und Autor Richard Doetsch versteht sich sehr gut auf unerwartete Wendungen, die zwar teilweise sehr abgehoben, aber glaubhaft sind.
Als Hörbuch hat "Die 13. Stunde" viel Aufmerksamkeit gefordert. Es ist daher am ehesten geeignet für Personen die lieber hören als lesen und nicht nur nebenher Hörbuch hören wollen. 



Und hier kann man das Hörbuch kaufen:  Richard Doetsch: Die dreizehnte Stunde

Anne Plichota & Cendrine Wolf: Oksa Pollock - Die Unverhoffte


Oksa Pollock ist 13 Jahre alt und dachte eigentlich sie wäre ein ganz normales Mädchen. Zwar träumt sie gerne davon eine berühmte Ninja-Kämpferin zu sein, doch ihr Freund Gus holt sie immer schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.
Als ihre Familie beschließt von Paris nach London umzuziehen, ist Oksa zunächst nicht begeistert. Doch als sie erfährt, dass auch die Familie ihres besten Freundes Gus Bellanger und ihre Großmutter Dragomira den Neuanfang in England wagen wollen, ist sie gespannt auf dieses Abenteuer. Ein neues Haus, eine neue Schule - viele Veränderungen stehen Oksa bevor, doch richtig wild wird es erst, als sie auch an sich selber Veränderungen bemerkt. Sie kann plötzlich mit Feuerbällen schießen, Sachen zum schweben bringen und um ihren Bauchnabel erscheint ein ganz merkwürdiges Mal. Als sie ihrer Großmutter davon erzählt, erfährt sie vom großen Familiengeheimnis. Die Familie stammt aus Edefia und Oksa ist die "Unverhoffte", die einzige Möglichkeit, jemals wieder den Weg in ihre Heimatwelt zu finden. Schwere Last ist nun auf Oksas Schultern, gemeinsam mit ihrer Familie und ihren Freunden kann sie es meistern. Doch die Feinde sind nicht fern ... 


Ich habe mich sehr auf "Oksa Pollock - Die Unverhoffte" gefreut, insbesondere da die Reihe als weibliche Konkurrenz zu Harry Potter beworben wird. So ist der Auftakt des Buchs auch ganz ähnlich zum berühmten Vorgänger. Ein ganz normales Mädchen entdeckt, dass sie besondere Fähigkeiten hat und sich um sie herum eine eigene Welt voller Magie befindet. Mich hat es auch nicht gestört, dass das Grundkonzept einige Anleihen an andere Buchreihen enthält, sei es nun "Harry Potter" oder "Laura", denn nicht jeder Autor kann direkt alles neu erfinden. Meiner Meinung nach waren jedoch die Anfangskapitel der stärkste Teil an "Die Unverhoffte". Der Mittelteil zeigt deutliche Längen, da jedes außergewöhnliche Lebewesen und jede Fähigkeit ausführlich erklärt und eingeführt werden. Neben den sehr kindlich wirkenden Ausdrücken (z.B. Knock-Bong, Ringelpupo, Plemplem und "Rette-sich-wer-kann") zeigt mir dies am deutlichsten, dass dies keine All-Age-Fantasy ist, sondern doch eher auf eine jüngere Zielgruppe ausgerichtet.
Oksa hat eine geradezu unheimliche Begeisterungsfähigkeit. Bei jedem neuen tierischen oder pflanzlichen Bewohner Edefias den sie kennenlernt bricht sie in Jubel aus und jede neue Fähigkeit die sie erlernt, oder die ihr vorgeführt wird führt zu Freudenausbrüchen. Dazu hat sie auch noch die Angewohnheit immer alle zu unterbrechen und ist natürlich auch noch wahnsinnig fleißig, so dass sie immer alle nur loben können. Ich kenne keine 13 jährige die sich so verhält. Oksa ist so positiv auf alles aus Edefia gestimmt, dass das schon an den Nerven des Lesers zerrt. Ihr Freund Gus konnte mir dagegen nur leid tun. Keine Ahnung wie er es an ihrer Seite aushält.
Einige der Nebencharaktere sind mir jedoch auch sehr sympathisch, so beispielsweise der geheimnisvolle Tugdual, oder die Plemplems mit ihrer gestelzten Ausdrucksweise (die jedoch zum Ende hin auch immer anstrengender zu lesen wurde). Ebenso sind die tollen Ideen der Pflanzen mit menschlichen Charakterzügen wie die Goranov und die Sensybillen eine echte Bereicherung für das Buch.
Insgesamt gesehen wirkte der Plot auf mich eher lieblos und "heruntergeschrieben". Mag sein, dass dies trotzdem die jugendlichen Leser begeistern wird, mich konnte man damit jedoch leider nicht fesseln.
In Frankreich sind bereits mehrere Bände der Reihe erschienen. Loben muss ich den Oetinger Verlag für die gelungene Covergestaltung der deutschen Ausgabe, wohingegen ich das Cover der Originalausgabe eher beängstigend und düster finde.
Empfehlen kann ich dieses Buch für die Altersklasse 11 - 14 Jahre. Für jüngere ist es teilweise etwas zu brutal und ältere wird die doch recht kindliche Sprache nicht mehr so ansprechen.


So habe ich bewertet:




Und hier kann man das Buch kaufen:  Anne Plichota & Cendrine Wolf: Oksa Pollock - Die Unverhoffte

Viveca Sten: Tödlicher Mittsommer

Bewertung: *****

Sommer auf Sandhamn, einer Schäreninsel ganz in der Nähe von Stockholm. Mitten im Urlaubsparadies wird eine Leiche an den Strand geschwemmt. War es ein Unfall, oder ist ein Mord auf Sandhamn geschehen? Thomas Andreasson von der Polizei, der gute Ortskenntnisse hat, wird mit den Ermittlungen beauftragt. Ihn verbindet eine langjährige Freundschaft mit Nora Linde, die ebenso wie Thomas Familie seit Generationen ein Ferienhaus auf den Schäreninseln hat. Der Tote ist Krister Berggren, ein Mann ohne erkennbare Verbindungen zur Schäreninsel. Nichts deutet auf einen Mordfall hin. Als aber wenige Tage später eine zweite Leiche auf der Insel gefunden wird und nun alles auf ein Verbrechen hindeutet, wird auch der Fall des ertrunkenen Mannes neu betrachtet. Die zweite Tote ist Kicki, die Cousine von Krister Berggren. Nach Zeugenaussagen suchte sie auf Sandhamn das große Geld. In dieser idyllischen Bullerbü-Atmosphäre kann aber doch kein Mörder leben, oder doch?

Zwar handelt es sich bei "Tödlicher Mittsommer" von Viveca Sten um einen klassischen Kriminalroman, doch zeitweise fühlte ich mich doch an eine meiner Lieblingsserien aus der Kindheit erinnert: "Ferien auf Saltkrokan".
Sandhamn ist ein ähnlich idyllisches Fleckchen Schweden, umso erstaunlicher werden die Todesfälle auf der Insel aufgenommen.
Viveca Sten hat mit Thomas Andreasson und Nora Linde zwei sehr sympathische Hauptfiguren geschaffen, die den Leser für sich einnehmen. Die Ereignisse werden in kurzen Kapiteln aus wechselnden Perspektiven erzählt, was auf mich sehr kurzweilig wirkte und Lust gemacht hat doch noch ein Kapitel mehr zu lesen als geplant. Neben dem Kriminalfall nimmt auch das Privatleben der Protagonisten einen großen Stellenwert ein. Es sind menschliche Charaktere, die es nicht immer einfach haben, dabei aber nicht zu überzogen wirken.
Viveca Sten hat sich bei "Tödlicher Mittsommer" auch nicht dazu hinreißen lassen, einen übertrieben blutrünstigen Mordfall auf der Schäreninsel anzusiedeln. Dies würde weder zur Kulisse, noch zu den Figuren passen und so ist dies auch wirklich eher ein klassischer Krimi, der mehr mit Miss Marple (Agatha Christie) gemein hat, als mit Harry Hole (Jo Nesbo).
Ein wenig schade fand ich hier, dass dem Leser wenig Möglichkeit geboten wird "mitzuraten" und selber die Tathintergründe aufzudecken. Doch insgesamt gesehen wirkt "Tödlicher Mittsommer" auf mich sehr stimmig und ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung "Tod im Schärengarten" bei der wieder Thomas Andreasson und Nora Linde beteiligt sind.
Empfehlenswert ist dieses Buch auf jeden Fall für alle begeisterten Leser klassischer Kriminalromane oder skandinavischer Literatur.






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Cassandra Clare: City of Ashes - Chroniken der Unterwelt 02

Bewertung: *****

"City of Ashes“ von Cassandra Clare ist die Fortsetzung von "City of Bones“. Ich habe es als Hörbuch gehört und für mich stellte es noch einmal eine Steigerung zum ersten Teil dar. Andrea Sawatzki liest wieder großartig und ich habe mich ausgezeichnet unterhalten gefühlt. Inhaltlich ist "City of Ashes" actionreicher als noch der Vorgänger und ich hatte den Eindruck, dass hier sehr geschickt gekürzt wurde, um den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Die Figur der Clary erscheint mir leider unrealistischer als noch zuvor, wobei mir jedoch ihre neue Gabe sehr gut gefallen hat. Auch die Entwicklung von Simon war sehr vorhersehbar.
Ganz entscheidend ist für mich hier jedoch, dass ich trotz der Schwächen wie gebannt an meinem mp3 Player hing und unbedingt wissen wollte wie es weiter geht. Das ist für mich immer noch das wichtigste Kriterium bei der Bewertung eines Buchs oder Hörbuchs. Wahrscheinlich hätte das Buch bei mir nicht ganz so gut abgeschnitten, da ich aufmerksamer lese als höre. Doch nun bin ich sehr gespannt, welchen Abschluss Cassandra Clare für ihre Trilogie in "City of Glass" finden wird.  



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Cassandra Clare: City of Bones - Chroniken der Unterwelt 01

Bewertung: *****

Ich habe "City of Bones" von Cassandra Clare als Hörbuch gehört und mich sehr gut unterhalten gefühlt. Gelesen wird es von Andrea Sawatzki, die ihre Sache ganz ausgezeichnet macht und allen Charakteren Individualität verleiht.
Inhaltlich stellt "City of Bones" eine Mischung vieler Einflüsse dar, die ein nettes Gesamtbild ergeben, aber in ihren Einzelteilen nicht groß überraschen können. Die Schattenjäger erinnern an eine "Buffy-Gang", das bekannte Bild von Vampiren und Werwölfen wird nicht verändert und die Geschichte von Clary und Jace lösten eine Art "Star Wars" Erinnerung (ich meine die alten Filme) bei mir aus. Wer das Buch gelesen hat, wird verstehen was ich meine, allen anderen möchte ich noch nicht zuviel vorwegnehmen.
Aber das alles ändert nichts daran, dass mir das Hörbuch gut gefallen hat. Ich habe mich auf jede Autofahrt gefreut bei der ich wieder weiter hören konnte und natürlich habe ich auch direkt mit der Fortsetzung "City of Ashes" weiter gehört.






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Liz Jensen: Endzeit


Bethany Krall ist Patientin in der Jugendpsychiatrie, nachdem sie ihre Mutter erstochen hat. Sie wird der neuen Kunsttherapeutin Gabrielle Fox zur Behandlung zugewiesen. Gabrielle ist nach einem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen und ist nach Hadport, England gezogen um sich dort ein neues Leben aufzubauen. Doch Bethany ist nicht einfach zu therapieren, nach ihren Elektroschocksitzungen redet sie von Naturkatastrophen und dem Weltuntergang. Eine Eigenart, die beängstigend wird, nachdem von Bethany vorhergesagte Katastrophen zur Wirklichkeit werden. Währenddessen lernt Gabrielle den Physiker Frazer Melville kennen, dem sie von "Kind B" und seinen Vorhersagen erzählt. Frazer ist fasziniert von der Idee eines "Katastrophen-Orakels" und lässt Bethanys Aussagen überprüfen. Kann Bethany wirklich das Ende der Welt sehen, oder hält sie hier Therapeuten und Wissenschaftler zum Narren?

Ich kann "Endzeit" von Liz Jensen niemandem mit gutem Gewissen empfehlen. Angekündigt wird es als Thriller, doch da frage ich mich ernsthaft, ob denn die Person von der diese Aussage stammt das Buch auch gelesen hat.
Es ist ein deprimierendes Weltuntergangs-Szenario, das die Autorin hier zeichnet.
Geschrieben ist "Endzeit" in der Ich-Perspektive von Gabrielle. Normalerweise habe ich damit kein Problem, aber sehr nervend fand ich hier, dass sie von Frazer immer als "der Physiker" redet. Der Physiker dies, der Physiker das, der Physiker guckt ungläubig, der Physiker beugt sich herunter, bla, bla, bla. Die Dialoge haben mir durchaus gefallen und diese fand ich technisch auch sehr gut, aber der Weg dorthin war teilweise recht zäh, zuviel hat sich die Autorin mit Erzählungen und Erklärungen aufgehalten.
Umwelt-Thriller sind nun gerade wieder schwer angesagt, erst vor kurzem habe ich "Prophezeiung" von Sven Böttcher gelesen. Gemeinsam ist diesen Büchern das Spiel mit der Furcht des Lesers. Allzu wahrscheinlich ist es doch, dass wir tatsächlich auf eine solche Katastrophe zusteuern. Wie zutreffend dies ist, zeigen die aktuellen Ereignisse in Japan, die mich persönlich jedoch mehr erschrecken, als es jedes hier erdachte Szenario vermag. Was jedoch Sven Böttcher gelungen ist und Liz Jensen leider überhaupt nicht, ist ein Spannungsbogen, der die gute Grundidee zum fesselnden Thriller werden lässt.
Auch die Figuren konnten mich nicht so recht für sich einnehmen. Sie sind interessant, aber nicht sympathisch.
Insgesamt gesehen bin ich daher der Meinung, dass es bessere Bücher gibt, mit denen es sich zu beschäftigen lohnt. Wer wirklich sehr viel Gefallen an Umweltkatastrophen und Weltuntergangsszenarien hat, für den ist sicherlich auch "Endzeit" sehr interessant. Allen anderen kann ich es nicht empfehlen.


So habe ich bewertet:




Und hier kann man das Buch kaufen: Liz Jensen: Endzeit

Helga Glaesener: Die Vergolderin

Bewertung: *****

Mitten im "Hungerwinter" müssen sich die Geschwister Elisabeth, Marga und Christian alleine auf den Weg nach Braunschweig machen. Ihr Vater, ein einst angesehener Goldschmied, wurde des Betrugs überführt, unehrenhaft aus ihrer Heimatstadt verjagt und setzt seinem Leben selbst ein Ende. Die Mutter übersteht Kälte, Hunger und Krankheit nicht. Bei ihrem Großvater werden Elisabeth und ihre Geschwister aufgenommen, jedoch nur sehr widerwillig. Marga führt dem alten Mann den Haushalt und Elisabeth kann zum Auskommen der Familie beitragen, indem sie heimlich einige Goldschmiedearbeiten übernimmt, für die der Großvater zu alt ist. Die Angst auch aus Braunschweig verjagt zu werden ist groß und Elisabeth hat ihrer Mutter geschworen für die Geschwister zu sorgen. Doch als ein geheimnisvoller Mann in ihr Leben tritt, der noch dazu blind ist, ändert sich vieles ...

Mir hat "Die Vergolderin" insgesamt sehr gut gefallen. Den Erzählstil empfand ich als sehr angenehm, da er nicht zu bildhaft ausfiel und noch genug Raum für eigene Gedanken lies. Ein wenig schwierig fand ich die zeitliche Orientierung. Hätte nicht dabei gestanden, dass die Geschichte im Jahr 1604 spielt, so wäre dies für mich aus dem Kontext auch nicht ersichtlich gewesen. Elisabeth ist ein sehr moderner Charakter, der sehr viel Wert auf Selbstbestimmung legt, finanziell unabhängig sein möchte und auch vor Schusswaffen nicht zurück schreckt. Aus unserer heutigen Sicht erscheint sie kämpferisch und stark, zur damaligen Zeit und der beginnenden Hexenverfolgung hätte sie wahrscheinlich eher den Scheiterhaufen riskiert. Noch unwahrscheinlicher ist der Umgang der Männerwelt mit Elisabeths Freiheitsstreben, denn die scheinen das weder zu verdammen (auch wenn immer darauf hingewiesen wird, dass die Gilde Elisabeths Verhalten gar nicht toll fände), noch sonst das typische Rollenverständnis zu unterstützen. Historisch gesehen, bezweifle ich daher, dass hier ein korrektes Bild der Frauen im Mittelalter oder des Gildewesens wiedergegeben wird. Auch die Zufälle die hier die Geschehnisse bestimmen sind manchmal ein wenig weit hergeholt.
Vom Unterhaltungswert her kann Helga Glaesener jedoch durchaus überzeugen. Die Figuren Elisabeth und Martin sind sehr sympathisch und es ist genug Raum für Romantik. Ein wenig zu kurz kam leider Elisabeths Schwester Marga, deren Beweggründe und Gedanken mir sehr fremd blieben, was ich bedauere.
Wer auf Bücher in der Richtung "schwer vom Schicksal geplagtes Mädchen nimmt ihr Schicksal selber in die Hand, um schließlich für ihren Einsatz belohnt zu werden" steht, dem wird sicherlich auch "Die Vergolderin" gut gefallen. Das meine ich nun auch gar nicht abwertend, denn manchmal braucht man auch ein wenig heile Welt und Happy End in der Literatur.


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Elia Barceló: Die Stimmen der Vergangenheit

Bewertung: *****

Ich bin im Nachhinein ziemlich erstaunt, wenn ich lese, dass die meisten Leser mit "Die Stimmen der Vergangenheit" einen Krimi erwartet haben und sich über mangelnde Spannung beschweren.
Ich weiß nicht, ob wir vielleicht unterschiedliche Vorankündigungstexte zu dem Buch gelesen haben, doch ich hatte eine eher ruhige Geschichte erwartet, vielleicht in Richtung einer Familiensaga, aber keinesfalls wirklich in Richtung Fantasy oder Krimi orientiert. Elia Barcelos Buch hat mich daher sehr positiv überrascht, durch die phantasievolle Geschichte die sich vor dem Leser öffnet und die Komplexität die hier in der Verbindung dreier Länder entsteht. Die Sprache der Autorin ist dabei sehr bildgewaltig und überzeugend.
Mit Katia Steiner hat die Autorin eine Figur in den Mittelpunkt der Geschehnisse in der Gegenwart gesetzt, die einen schönen Kontrast zu Valcarel in der Vergangenheit bildet. Nach und nach entblättert sich die Geschichte vor dem Leser und so wie auch Katia erst aus dem Tagebuch Jose Maria Valcarels von der Welt hinter den Bildern erfährt, so wurde auch ich erst im Laufe der Ereignisse in die Geschehnisse eingeweiht. Besonders interessant fand ich hier auch die Tagebucheinträge von Valcarel und Katias eigene Suche nach ihrer Vergangenheit. Für mich persönlich stellt "Die Stimmen der Vergangenheit" daher eine gelungene Mischung aus Gegenwartsliteratur, Krimi, Fantasy und historischem Roman dar. Einziger negativ Punkt ist für mich, dass der starke Höhepunkt des Buchs nicht ganz bis zum Ende gehalten werden konnte und dort wieder etwas abflaut.
Wer komplexe Geschichten mag und nicht nur auf Thrill aus ist, der wird mit "Die Stimmen der Vergangenheit" sicherlich ebenso zufrieden sein wie ich.






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01. Dezember: Tee-Advents-Kalender

Heute gibt es folgende Teesorten:

- Sonnige Grüße (Kräuter-Früchteteemischung)

und

- Guten-Morgen-Tee (Kräuterteemischung)








Der Spruch des Tages lautet:
"Ich wünsche Dir, dass Du endlich wieder einmal Zeit findest, Deine Lieblingskekse selbst zu backen."

Geschmeckt haben mir beide Teesorten sehr gut. :-)

Freitag, 30. November 2012

Tess Gerritsen: Totengrund


Mit "Totengrund" liegt nun bereits der achte Band der Rizzoli/Isles Reihe von Tess Gerritsen vor. Die bisherige Reihenfolge lautet:
1. Die Chirurgin
2. Der Meister
3. Todsünde
4. Schwesternmord
5. Scheintot
6. Blutmale
7. Grabkammer
8. Totengrund


Während einer Pathologiekonferenz in Wyoming trifft Maura Isles einen alten Studienkollegen, der sie einlädt das Wochenende in den Bergen mit ihm, seiner 13jährigen Tochter und einem befreundeten Pärchen zu verbringen. Als sie mit ihrem Fahrzeug auf einer abgelegenen Bergstraße liegenbleiben, machen sie sich zu Fuß auf den Weg zu einem Unterschlupf. Sie finden das verlassene Dorf Kingdom Come in einem Tal, doch die Umstände unter denen die Bewohner den Ort verlassen haben, erscheinen merkwürdig. Währenddessen versuchen Daniel Brophy und Jane Rizzoli, Maura zu erreichen. Nur wenig später findet die örtliche Polizei ein ausgebranntes Fahrzeug mit vier Leichen darin, darunter eine Frau in Mauras Alter und im Kofferraum ihr Gepäck. Was ist wirklich in den Bergen geschehen?

Tess Gerritsen wird zu Recht die Königin der medizinischen Thriller genannt. Wieder einmal hat mich ihr neuestes Buch gefesselt und ich habe es fast an einem Stück gelesen.
Diesmal widmet sich die Autorin dem Thema religiöse Kulte und sektenähnliche Glaubensgemeinschaften. Einblick bietet hier schon der Prolog, der aus der Perspektive eines 13jährigen Mädchens schildert wie diese innerhalb der Glaubensgemeinschaft an den "Propheten" verheiratet wird. Diese Episode blieb mir auch das gesamte Buch über im Gedächtnis, so dass auch recht schnell Verbindungen zu den aktuellen Geschehnissen erkennbar waren.
Natürlich konzentriert sich "Totengrund" wieder hauptsächlich auf die bekannten Figuren Maura und Jane, sowie ihre "Männer", was auch schon einen großen Teil des Konfliktpotenzials mit sich bringt. Ebenfalls dabei ist Anthony Sansone, der aus einem der vorherigen Bücher bekannt ist, mir jedoch noch immer Rätsel aufgibt. Besonders gut gefällt mir an dieser Reihe die Fähigkeit von Tess Gerritsen alle Ereignisse so zu vermitteln, dass man förmlich meint die Kälte in den Bergen zu spüren, oder die Angst auf der Flucht. Die Handlung bleibt dabei spannend, aber undurchsichtig genug, um doch noch zu überraschen. Jedoch unterscheidet sich dieses Buch auch von den anderen der Reihe, indem es sich hier mehr um die Figuren dreht, als um eine wirkliche Ermittlung oder ein Verbrechen. Wer mit den Erwartungen eines Falles mit Serienmörder oder ähnlichem hier heran geht, wird daher wohl enttäuscht sein.
Empfehlenswert ist "Totengrund" daher besonders für Fans der Reihe, oder alle die es zwischen all den blutigen Thrillern auch einmal etwas ruhiger mögen.


So habe ich bewertet:
 
 

Und hier kann man das Buch kaufen:  Tess Gerritsen: Totengrund

Brigitte Melzer: Dämonisches Tattoo

Bewertung: *****

"Dämonisches Tattoo" von Brigitte Melzer hat mich ein wenig überrascht. Da die Autorin normalerweise für Fantasyliteratur bekannt ist, hatte ich auch erwartet, dass dieses Buch mehr in diese Richtung geht. Es sind zwar Fantasyeinschläge zu erkennen, jedoch stammen diese eher aus dem Bereich der Mythologie. Ansonsten handelt es sich hier um einen Thriller mit den gewohnten Zutaten Serienmörder und Ermittler.
Inhaltlich konnte mich die Geschichte leider kaum überraschen, bis auf die gute Grundidee der Verbindung zwischen Mörder und Ermittler durch ein Tattoo. Besonders die wechselnden Perspektiven unterstreichen hier den ungewöhnlichen Charakter und lenken von den sonst typischen Thrillerklischees ab.
Gelesen wird das Hörbuch von Manfred Callsen, der seine Aufgabe hier sehr gut erfüllt. Das gute Zusammenspiel zwischen Sprecher und interessanter Idee ist es auch, was bei mir insgesamt vier Sterne für das Hörbuch ergibt.



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Inge Löhnig: So unselig schön

Bewertung: *****

Die junge Vicky Senger ist "Urban Explorer" und sucht leerstehende Gebäude auf um dort Fotos zu machen. Bei einer ihrer Erkundungen entdeckt sie die Leiche einer Frau. Kommissar Dühnfort und sein Team übernehmen die Ermittlungen. Sie entdecken die Verbindung zu einem mehrere Jahre zurück liegenden Mordfall in Düsseldorf und auch der damalige Kreis der Verdächtigen gerät ins Visier ihrer Untersuchungen. Doch auch Vicky nimmt eigene Ermittlungen auf. Bei der Durchsicht ihrer Fotos entdeckt sie ein Detail, dass ihr keine Ruhe lässt und geht dieser Spur nach. Doch es ist niemals eine gute Idee, einem Serienmörder nachzustellen ...

Mit "So unselig schön" liegt hier bereits der dritte Teil der Reihe rund um Kommissar Tino Dühnfort vor.
Die bisherige Reihenfolge lautet:
- "Der Sünde Sold"
- "In weißer Stille"
- "So unselig schön"
Meiner Meinung nach lassen sich die Bücher auch einzeln lesen, auch wenn dann einige Hintergrundinformationen zu den Figuren fehlen.
Inge Löhning hat mit "So unselig schön" eine tolle Fortsetzung vorgelegt, die für mich eine Steigerung der Reihe bedeutet hat und bis zum Ende fesseln konnte.
Besonders die Nebenfiguren fand ich hier gelungen und gut ausgearbeitet. Auch die bereits vertrauten Figuren haben sich weiter entwickelt, ohne jedoch unrealistisch große Sprünge zu erleben. Zwar trumpft die Autorin hier nicht mit unerwarteten Wendungen im Stile eines Psychothrillers auf, doch trotzdem bleibt die Spannung erhalten. In klassischer Krimimanier werden Verdächtige präsentiert und Spuren verfolgt, um dann insgesamt ein stimmiges Gesamtbild zu ergeben. Ich fühlte mich bestens unterhalten und etwas Besseres kann man doch eigentlich nach dem lesen gar nicht sagen.
Von daher hin ich auch beim nächsten Band der Reihe auf jeden Fall dabei und schon sehr gespannt wie es weitergeht mit Dühnfort und Gina!



 Und hier kann man das Buch kaufen: Inge Löhnig: So unselig schön

Todd Ritter: Das Schweigen der Toten

Bewertung: *****

erry Hollow, Pennsylvania, ist ein verschlafenes Nest in dem ein Verkehrsunfall oder eine Schlägerei schon die aufregendsten Vorfälle darstellt. Seit Kat Campbell Polizeichefin ist, hat es nie einen Mord gegeben und so hat sie auch nichts auf die folgenden Ereignisse vorbereitet. George Winnick, ein örtlicher Farmer, wird ermordet in einem grob gezimmerten Sarg an der Landstraße aufgefunden. Seine Wunden sind grausam, sein Mund wurde zugenäht. Kat erkennt schnell, dass dieser Fall ihre Kompetenzen überschreitet und erhält Unterstützung durch eine Sonderkommission, die ähnliche Fälle untersucht. Nick Donnelly leitet dieses Team. Doch der Mörder treibt ein perfides Spiel. Kurz vor dem Mord schickt er eine Todesmeldung per Fax an Henry Goll, einen Journalisten der Perry Hollow Gazette, in dem die Tat angekündigt wird. Kann sich das Städtchen in Sicherheit wähnen, oder treibt hier ein Serienmörder sein Unwesen? 

Autor Todd Ritter legt mit "Das Schweigen der Toten" sein Erstlingswerk vor und kann mich hiermit bereits überzeugen. Ausgestattet mit einem großzügigen Sortiment an Verdächtigen kann der Leser seine eigenen Überlegungen anstellen, während die eine oder andere Spur von Kat und Nick verfolgt wird. Ritters Figuren wirkten dabei auf mich sympathisch, realistisch und glaubwürdig in ihren Aktionen. Besonders gelungen fand ich hierbei die Nebenfigur des Henry Goll. Ein wenig dick aufgetragen fand ich, dass wirklich jede Figur eine dunkle Episode in ihrer Vergangenheit hatte. Meiner Meinung nach ist es nicht möglich noch ein Buch zu schreiben, dass nicht schon in irgendeiner Art und Weise Ideen enthält, die bereits umgesetzt wurden und so habe ich hier auch keinen besonders auffälligen "Ideenklau" bemerkt. Der Erzählstil ist einfach gehalten und konnte mich bis zum Ende hin fesseln. Sehr interessant fand ich hier die wechselnden Erzählperspektiven, die für mich die Handlung auflockerten. Zeitlich erstreckt sich die Geschichte über einen längeren Zeitraum, doch die Orientierung fällt durch die Erwähnung der großen Feiertage leicht. Einen kleinen Abzug muss ich noch geben für die "Auflösung", da mir das Tatmotiv nicht so ganz schlüssig erscheint. Todd Ritter hat sich durchaus die Möglichkeit bewahrt eine Fortsetzung zu schreiben und ich kann mir gut vorstellen dann wieder mit dabei zu sein.
Empfehlenswert ist "Das Schweigen der Toten" für alle Freunde von amerikanischen Thrillern.



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Petra Durst-Benning: Die russische Herzogin

Bewertung: *****

Mit viel Freude habe ich im letzten Jahr "Die Zarentochter" von Petra Durst-Benning gelesen. Nun war der Nachfolger "Die russische Herzogin" an der Reihe.
Olga ist bereits seit vielen Jahren mit Karl, dem Kronprinzen von Württemberg verheiratet. Zu ihrem größten Bedauern ist die Ehe kinderlos geblieben, weshalb sich Olga sehr freut, als ihr Bruder der Zar von Russland sie bittet, ihre gemeinsame Nichte Wera Konstantinowa bei sich in Stuttgart aufzunehmen. Olga malt sich bereits die schönsten Träume aus, wie sie ihre neue Tochter ausstaffieren wird und sie gemeinsam Theater und Oper besuchen. Doch die neunjährige Wera stellt sich als ein echter Wildfang heraus, der als schwer erziehbar oder sogar geistesgestört gilt. Schon die ersten Tage in Stuttgart gestalten sich schwierig und Olga ist bald mit den Nerven am Ende. Doch so schnell gibt sie nicht auf. Wird es ihr gelingen einen Zugang zu Wera zu finden? 


Petra Durst-Benning hält sich in ihrem Roman über die russische Zarentochter und ihre Nichte am württembergischen Hof weitestgehend an die historischen Fakten. Alle künstlerischen Freiheiten die sich die Autorin heraus genommen hat (und die sie im Nachwort erklärt) fand ich passend und eine nette Untermalung der Geschichte.
Musste ich bei "Die Zarentochter" noch einen Stern in der Bewertung abziehen aufgrund des etwas zu schmalzigen Gesamteindrucks, so bietet "Die russische Herzogin" genau die richtige Mischung. Dies wird insbesondere an der Figur der Wera liegen, die mit ihrem Temperament und ihrer Lebensfreude jede Szenerie beherrscht und so den Leser einfach in ihren Bann reißen muss. Da die Geschichte sowohl aus der Perspektive von Olga, als auch von Wera geschrieben ist, erhält man einen sehr guten Einblick in die Gedanken und Gefühle beider Frauen, die fern von Russland eine neue Heimat gefunden haben. Man leidet mit der kleinen Wera, die sich von der Familie abgeschoben fühlt, aber ebenso mit Olga, die sich nichts mehr wünscht, als eine gute Beziehung zu ihrem "Herzenskind".
Untermalt wird der Roman noch durch die vielen Gedichte, die Wera geschrieben hat und die sehr gut ihre jeweilige Gefühlsverfassung wieder geben.
Auch aus historischer Sicht sind Olga und Wera sehr interessant, da sie ihre Stellung als Königin und Herzogin von Württemberg genutzt haben, um sozial benachteiligten Menschen zu helfen. So ist Olga als Patronin zahlreicher Kinderheime und Krankenhäuser bekannt und Olga wurde zur Gründerin des ersten Mutter-Kind-Heimes von Württemberg. Vor diesen starken Frauen kann man nur Respekt haben!
Ich kann "Die russische Herzogin" allen Freunden von historischen Romanen mit Herz empfehlen und hoffe sehr, dass Petra Durst-Benning noch über weitere Frauen schreiben wird, die Großes geleistet haben aber heute leider vielfach vergessen sind.


Und hier kann man das Buch kaufen:  Petra Durst-Benning: Die russische Herzogin

Sven Böttcher: Prophezeiung


Die junge Klimaforscherin Mavie Heller erhält über ihren Mentor Professor Eisele die Möglichkeit am streng geheimen IICO auf La Palma mitzuwirken. Das Klimaforschungsinstitut sammelt Daten aus der ganzen Welt und begeht neue Wege in der Beeinflussung des Wetters. So ist es auch kein Wunder, dass sich hier eine sehr elitäre Gruppe von Forschern versammelt hat, die so manches Projekt entwickeln, von dem die Außenwelt nichts ahnt. Als sich Mavie unerlaubterweise genauer eines der Programme mit Namen "Prometheus" ansieht, entdeckt sie, dass hier Prognosen erstellt werden, die erstaunlich zutreffend sind, was die Daten der Vergangenheit betrifft. Doch mit Erschrecken muss sie feststellen, dass Prometheus eine Klimakatastrophe ungeahnten Ausmaßes vorhersagt. Die Todesopfer gehen in die hunderte von Millionen, die Folgen sind unabsehbar. Doch als sie ihren Mentor und die Institutsleitung darauf anspricht, wird die Prognosegenauigkeit abgestritten. Mavie muss La Palma verlassen. Doch sie geht nicht, ohne die Prognosedaten mit heraus zu schmuggeln. Die Menschheit soll erfahren was ihr bevorsteht und dafür braucht Mavie mächtige Verbündete ...

"Prophezeiung" regt zum Nachdenken an. Sven Böttcher hat hier einen fiktiven Öko-Thriller geschaffen, der jedoch genug Nähe zur Realität aufweist, um an unseren Ängsten zu rütteln. Angelegt in der nahen Zukunft, wird direkt Bezug genommen auf Klimakatastrophen unserer Gegenwart, wie das Erdbeben auf Haiti, schwere Überschwemmungen und die ungewöhnlich harten Winter der letzten Jahre. Sind dies die ersten Vorzeichen einer nahenden großen Katastrophe?
Sven Böttcher spielt mit den Ängsten seiner Leser, verleiht ihnen durch wissenschaftliche Fakten und Fachausdrücke noch mehr Authentizität und bildet so ein sehr intensives Kopfkino. Die Szenerie des Autors erscheint real und wahrscheinlich und entspricht dem, was Schwarzseher schon lange befürchten. Ob es nun wirklich schon innerhalb der nächsten Jahre eine "CO2-Konto" für jeden Bürger geben wird ist fraglich, doch durchaus eine mögliche Zukunftsentwicklung.
Interessant ist auch der strukturelle Aufbau des Romans. Sven Böttcher hat für die unterschiedlichen Abschnitte Überschriften gewählt, die die sich zuspitzende dramatische Situation unterstreichen. Von Prometheus (der Vorausdenkende) zu Kassandra (deren Vorraussagen kein Gehör finden) und Pandora (die die Plagen in die Welt entlässt) bis zu Styx (der Fluss der Unterwelt) verkörpern hier die Sinnbilder die aktuelle Lage.
Sven Böttchers Figuren empfand ich als sehr stereotyp. Angefangen mit der perfekten, gut aussehenden, intelligenten Mavie, zum selfmade Millionär Phillip und seinen Extravaganzen, der selbstlosen und verbissenen Journalistin Helen, bis hin zum zurückgezogen lebenden Nobelpreisträger. Hier ist nahezu alles vertreten und konnte mich doch nicht vollends überzeugen.
Ebenfalls nicht ganz überzeugen konnte mich die Handlung im letzten Drittel von "Prophezeiung". Hier überschlagen sich die Ereignisse und die Handlungen der Figuren wirken konstruierter. Dennoch blieb die Spannung erhalten bis zum großen Finale.
Empfehlen kann ich dieses Buch an alle, die gerne Wissenschafts- oder Öko-Thriller lesen, jedoch auch damit zurecht kommen, dass hier eine gehörige Portion Fiktion dabei ist.


So habe ich bewertet:




Und hier kann man das Buch kaufen: Sven Böttcher: Prophezeiung

Leah Cohn: Der Kuss des Morgenlichts

Bewertung: *****

Direkt vorweg möchte ich sagen, dass der Klappentext zu "Der Kuss des Morgenlichts" meiner Meinung nach bereits zuviel verrät.
Die junge Musikstudentin Sophie lernt in Salzburg den charismatischen Cellisten Nathanael Grigori kennen und ist sofort von ihm fasziniert. Anfangs ist an eine Beziehung der beiden nicht zu denken, ist doch Nathanael viel zu unnahbar und Sophie zu schüchtern. Doch über gemeinsames musizieren kommen sich die beiden näher und Sophie versucht mehr über Nathan in Erfahrung zu bringen. Doch vieles bleibt im Dunkeln und nach einer gemeinsam verbrachten Nacht und der Entdeckung, dass Sophie schwanger ist, verschwindet Nathan aus Salzburg. Zurück bleibt eine verzweifelte Sophie, die nur einen unpersönlichen Brief von ihrem Geliebten in den Händen hält. Doch Sophie steht nicht alleine da, ihre Mitbewohnerin Nele ist auch in dieser Zeit für sie da.


Der Reiz an "Der Kuss des Morgenlichts" liegt darin, dass der Leser (sofern er nicht den Klappentext gelesen hat) zunächst nicht genau weiß, wohin ihn die Geschichte führen wird. Mich haben die Ereignisse daher überrascht und so auch zu Anfang die Spannung aufrecht erhalten.
Entschieden hatte ich mich hier für das Hörbuch, das von den beiden wirklich phantastischen Sprechern Anna Thalbach und Andreas Fröhlich eingelesen wird. Die beiden können hier auf ganzer Linie überzeugen und insbesondere Anna Thalbach versteht es glänzend die unterschiedlichen Figuren zu verkörpern.
Leider konnten mich die Figuren selber jedoch nicht so sehr überzeugen. Sophie fehlt es an Charakterstärke und die Liebesgeschichte wirkt recht farblos. Auch die Hintergründe zum Fantasyelement fand ich zu wenig ausgearbeitet um sich allen Fragen zu stellen.
Zwar gibt es auch einige Kampfszenen, doch diese führten bei mir leider nicht zum Erhalt der Spannung, sondern langweilten mich eher.
"Der Kuss des Morgenlichts" (den Titel finde ich ebenfalls nicht passend) konnte mich daher nicht als neuen Fan gewinnen, auch wenn der Anfang durchaus vielversprechend war. Ich werde daher wohl auch nicht zum Nachfolger "Der Fluch der Abendröte" greifen.


Und hier kann man das Hörbuch kaufen:  Leah Cohn: Der Kuss des Morgenlichts

Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten

Bewertung: *****

"Zeugin der Toten" von Elisabeth Herrmann ist kein Thriller im klassischen Sinne. Es gibt keinen durchgedrehten Serienkiller, kein Ermittlerduo, keine Profiler oder sonst welche der typischen Zutaten.
Im Mittelpunkt der Ereignisse steht stattdessen eine junge Frau, die für ein Reinigungsunternehmen arbeitet. Ein Putzjob wie viele andere, nur das Judith Kepler noch eine Zusatzausbildung gemacht hat, die sie befähigt besonders gut Blutflecken und ähnliches entfernen zu können, weshalb sie häufig als sogenannte "Cleanerin" eingesetzt wird. Sie ist diejenigen die kommt, nachdem der Leichnam einer in Wohnräumen verstorbenen Person abtransportiert ist, und nun die Wohnung für den nächsten Mieter herrichtet. Judith entspricht jedoch auch sonst nicht ganz dem typischen Schema einer Romanheldin. Nach einer Kindheit in einem Kinderheim der DDR ist sie auf die schiefe Bahn geraten, kennt Gefängnisse nicht nur aus dem Fernsehen und hat Drogen konsumiert. Als Judith jedoch an einem der "Tatorte" die sie säubern soll Unterlagen entdeckt, die auf sie selber hindeuten und ihre Vergangenheit im Kinderheim, fängt sie an auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Doch es ist nicht ungefährlich, in dunklen Episoden der DDR Geschichte herumzuwühlen und das muss auch Judith bald feststellen ...


"Zeugin der Toten" beschäftigt sich mit dem Thema Stasi und Spionage zu Zeiten des kalten Krieges.
Elisabeth Herrmann hat hier Figuren geschaffen, die nicht wirkliche Sympathieträger sind, jedoch mit ihren Ecken und Kanten überzeugen können. Im Vordergrund steht Judith Kepler, die sich nicht nur mit ihrer verkorksten Vergangenheit auseinandersetzen muss, sondern auch noch damit ob es denn überhaupt stimmt was sie zu glauben meinte. Unterstützung bekommt sie von einem in Missgunst geratenen ehemaligen BND-Agenten.
"Zeugin der Toten" zeigt jedoch auch für alle die es nicht miterlebt haben, was kalter Krieg wirklich bedeutet. Konkurrierende Spionagedienste sind da nur ein Aspekt der hier nur allzu deutlich wird. Man mag sich gar nicht ausmalen, was vielleicht alles nicht an die Öffentlichkeit geraten ist und welche anderen Schicksale von Republikflüchtlingen es gegeben haben mag.
Überzeugen konnte mich dieses Buch mit seinem tollen Ansatz, den Ideen die hier eingebracht werden und die für mich neu im Krimigenre sind. Einen Stern Abzug gibt es jedoch von mir für die sich überschlagenden Handlungsstränge ab der zweiten Buchhälfte und den ebenfalls abnehmenden Realismus zum Ende hin. Dennoch ist "Zeugin der Toten" ein empfehlenswerter Krimi für alle Leser, die sich gerne mit deutsch-deutscher Geschichte auseinandersetzen.






Und hier kann man das Buch kaufen:  Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten